|
Der 30.5.2002 war ein Horrotag für eine unserer Pflegefamilien ! Sie hatten am 24.5.2002 für uns PIN, einen handscheuen, 8 Monate alten Galgo-Rüden
in Pflege genommen und bemühten sich sehr um die Pelznase. Er schien auch gute Fortschritte zu machen und sein größtes Glück waren lange Spaziergänge (natürlich am Geschirr) mit seinen Pflegeeltern und seiner
Hundefreundin Strolchi. Am 30.5. war er allein mit dem Pflegepapa unterwegs und nach 3 Stunden in Feld und Flur wollte der Pflegepapa ihm Wasser geben. Er setzte sich auf eine Bank, hielt die Leine in der linken
Hand und öffnete mit der rechten Hand gerade den Wasserbehälter, als ein Geräusch PIN hochschrecken und in wilder Panik davonschießen ließ. Zwei, drei Meter “flog” der Pflegepapa noch hinterher, dann hatte ihm PIN
die Leine aus der Handgerissen und war in affenartigem Tempo verschwunden.
Völlig verzweifelt suchte der Pflegepapa einige Zeit, aber das Tempo eines Windhundes, vergleichbar mit einem Kleinwagen, erlaubte
ihm nicht mal mehr den Blick auf die Schwanzspitze.
Er klingelt dann bei uns (wir sind Nachbarn) und berichtete aufgelöst von dem Erlebnis. Sofort machten wir uns Alle auf (wir hatten an dem Tag auch noch
Besuch) und die Suche begann. Alle Menschen, die uns irgendwie begegneten wurden befragt, Polizei, Jägerschaft, Bürgermeister informiert, aber bis auf zwei magere Hinweise auf die Laufrichtung blieb PIN verschwunden.
7 (in Worten sieben) Tage lang !!!!!!!!!!
Niemand gönnte sich mehr Schlaf, hunderte Aushangblätter wurden verteilt, etliche Anrufe kamen und es stellte sich heraus, dass PIN keine Kreise zog, sondern
permanent seinen Standort wechselte. Sein Radius betrug in kürzester Zeit an die 20 km. Also keine Chance für eine Lebendfalle oder präparierten Köder.
Ganze Nächte schlugen wir uns in Gebüschen und Feldern
um die Ohren, kein Zeichen von unserem Ausreisser. Wir hatten eine Wahnsinnsangst, dass er irgendwann vor ein Auto läuft, oder verhungert, verdurstet, erschossen wird ....
Dann, am 6.Tag kam ein Anruf aus
einem ca. 15 km entfernten Ort - eine Windhundmama wurde von verschiednen Leute gefragt, ob ihr ein Hund “fehlen” würde, es würde einer rumstromern. Diese Windhundmama, Cora, wiederrum kannte eine unserer
Pflegemamas, die ihr von der verzweifelten Suche nach PIN erzählt hatte und schnell war klar, es war unsere Pelznase, die die Gegend unsicher machte.
Cora, die eine unglaubliche Liebe zu Windhunden in sich
trägt, konzentrierte sich auf unseren Burschen und betete Tag und Nacht, dass er sich in ein eingezäuntes Gelände “verlaufen” würde, damit wir eine Chance bekommen.
Und - glauben Sie es, oder glauben Sie es
nicht - am 7.Tag lief unser kleiner Irrer in ein eingezäuntes Gelände, wo ein Rosengärtner gerade an der Arbeit war. Er sah es und schloss geistesgegenwärtig das Tor.
Dann verständigte er sofort Cora, denn auch er war schon über die Suche informiert. Cora rief sofort bei uns an und mit Halsbändern, Leinen, Fleischwurst und flatternden Nerven ausgerüstet, düste ich sofort los.
Nun klingt “eingezäuntes Gelände” nach “leichtem Spiel” - wenn ...
ja wenn das Gelände nicht 6000 m2 groß gewesen wäre ... Wir trabten also durch die Rosen und sahen PIN auch mehrmals, aber näher als 10 m ließ er uns nicht ran.
Jetzt war Cordulas (die Whippet-Hündin von Cora) große Stunde gekommen !
Sie entdeckte PIN und lief freudig bellend auf ihn zu und fing an ihn zu “umgarnen” und zu Cora, die sich in die Wiese gesetzt hatte,
zu locken. Ich saß derweilen, nach mehreren Sprung-Fang-Fehlversuchen, mit meiner Fleischwurst hinter einem nahegelegenen Busch.
PIN lief mehrere Male auf Armeslänge an Cora vorbei, aber immer extrem wachsam
und zum Ausweichmanöver bereit. Hingeworfene Fleischwurststücke nahm er im “Vorbeilaufen” mit und war so schnell wieder aus dem Griffbereich, dass wir keine Chance hatten. Ich war bereits adrenalintechnisch
völlig überdreht, aber Cora behielt die Ruhe und beim 11. Mal Vorbeilaufen, war Pin etwas unkonzentrierter und Cora griff beherzt zu ! Schwupp, war ich auch aus dem Busch und gemeinsam hielten wir den kleinen
Kerl fest und begannen ihn zu “verschüren”. Zwei Halsbänder, ein Geschirr, 3 Leinen !
PIN zeigte überhaupt kein Interesse mit uns zu gehen und wurde steif wie ein Brett und wieder war es Cordula die ihn
animierte und letztlich dazu bewegen konnte zu laufen. Unter Sicherheitsstufe EINS wurde er dann ins Auto gebracht, festgemacht und dann gab’s ein Zigarettchen für Cora und mich und Fleischwurst für Cordula ...
Auf die Stunde genau 7 Tage nach seinem Verschwinden hatten wir ihn wieder !!!!!!!!!
Er war allerdings in einem erbarmungswürdigen Zustand - seine Angst hatte sich potenziert, er hatte eine verletzte
Pfote, hohes Fieber, Durchfall, Erbrechen (Steine und Äste war Alles was der arme Kerl zu fressen gefunden hatte) und sein ganzer Bewegungsapparat war in Unordnung geraten (durch die Überanstrengung). Nun begann
also das Super-Spezial-Betreuungs-Programm und weitere 2 Tage war an Schlaf nicht zu denken, da er stündlich seine Mittel bekommen und außerdem getragen werden musste, da er vor Angst nicht selbst lief.
Am
Samstag Nachmittag kamen die Pflegeeltern zu Besuch und als PIN, den wir nun auf MOMO umgetauft hatten (ich ändere “Unglücksnamen” immer gerne ab)seine Strolchi (den Hund der Pflegeeltern) wieder sah, blühte er
richtig auf. Jammernd sah er dann, dass sie wieder gingen und da brachten wir es nicht übers Herz ihn hier zu behalten, zumal das Fieber gesunken war und der Durchfall sich auch wesentlich gebessert hatte.
Seit Samstag ist er also wieder bei seinen Pflegeeltern und wird sich dort - umsorgt und verwöhnt - von seiner Monsterreise erholen (wie erwähnt, er ist erst 8 Monate alt !)
Wir hoffen nun, dass er
wieder vollständig auf die Pfoten kommt und irgendwann auch seine ganz eigene Familie findet !!!
An ALLE, die uns in diesen schweren Tagen geholfen haben an dieser Stelle nochmal VIELEN, VIELEN DANK. Auch an
die Jägerschaft, die uns versprochen hatte nicht zu schießen und es auch nicht getan hat !
Besondere Dankeknuddels natürlich an CORA und CORDULA, denen MOMO letztlich sein Leben verdankt und an die höhere
Macht, wie auch immer man sie nennen mag, die dieses Wunder möglich gemacht hat !!!!!!!!!!!!!
|